WIR HIER: Artikel von Geflüchteten und Menschen, die schon länger hier leben

Starke Worte

Von Bashear Rajha aus Syrien, aus dem Arabischen übersetzt
BashearRajha
Vor einem Jahr haben wir dieses Magazin gegründet, das für uns wie ein Fenster war, durch das wir unsere Projekte, unsere Probleme und unsere Gefühle erst mal nur fiktiven Leserinnen und Lesern gegenüber äußern konnten. Rückblickend lässt sich feststellen: Wir haben hervorragende Texte geschrieben und in der Redaktion wunderbare Momente miteinander verbracht, und wir sind mit vielen von Ihnen, den Leserinnen und Lesern, ins Gespräch gekommen.
So ist das Magazin eine Verbindung zwischen Geflüchteten und Menschen, die schon immer oder schon lange in Deutschland leben. Diese Verbindung ist uns wichtig, weil sich so die verschiedenen Kulturen näher kommen können und Integration erleichtert wird.

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SamahVon Samah Al Shagdari aus Jemen
aus dem Arabischen übersetzt und gekürzt

Frauen auf der ganzen Welt machen am 8. März auf noch immer nicht verwirklichte Frauenrechte aufmerksam. Denn immer noch werden Frauen marginalisiert, unterdrückt, oft genug zum Schweigen gebracht, besonders in Ländern der sog. Dritten Welt. Aber ihre Forderungen werden lauter.
Es war ein weiter Weg bis zum Weltfrauentag, aber der Kampf hat sich gelohnt, er hat das Gesicht der Welt verändert. Heute treten nicht nur Frauen jeden Alters für ihre Rechte ein, sondern auch Männer.

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Von Homayoun Akbari-Teherani aus Iran

Homayoun Akbari TeheraniMan hört immer, dass Engel irgendwo im Himmel sind und in heiligen Büchern und Märchen vorkommen. Nein, die Engel sind hier, zwischen uns. Man muss nur die Augen aufmachen, um sie zu sehen. Ich habe die Ehre gehabt, ein 6-wöchiges Praktikum im Willkommen-Team Norderstedt absolvieren zu dürfen. In dem Verein habe ich viele Engel kennen gelernt. So ein Engagement, so viel Kraft und Energie, wie ich sie bei den Mitgliedern des Willkommen-Teams und bei der Diakonie gesehen habe, das kann nur eine überirdische Gabe sein.
Ich hoffe, dass die Flüchtlinge die Unterstützung, die sie durch das Willkommen-Team haben, wenn nicht jetzt, dann irgendwann später zu schätzen wissen und nicht für selbstverständlich halten.

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HaylVon Hayl Aioub aus Syrien

Nicht alles ist, was es zu sein scheint. Das gilt für Dinge, aber genauso auch für Menschen. Ich meine damit unsere inneren Bilder, unsere Vorstellungen von etwas und unsere Vorurteile, positiv wie negativ. Selbst über Länder kann das zutreffen. Fast alle Menschen hier kennen Syrien wegen des Bürgerkriegs. Aber unser Land ist viel mehr.
Als ich noch in der Erstaufnahme in Neumünster wohnte, hatte ich einen Mitbewohner, der bei den Mahlzeiten immer dafür dankte, dass er jetzt in Deutschland sei. Er streckte die Arme gen Himmel und rief: „Lieber Gott, ich danke dir, dass ich hier sein darf. Jetzt wird alles besser.“ Auch für das Essen dankte er. „Besonders mag ich den Käse.

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AhmadTurkiVon Ahmad Turki aus Syrien
Aus dem Arabischen übersetzt

Als mir das Leben wegen des Krieges in meiner Heimat schwer fiel, beschloss ich mit meiner Familie zu fliehen, irgendwohin, wo es für uns sicher war. Deutschland kam mir als erstes in den Sinn, da dort viel Wert auf Entwicklung und Organisation gelegt wird. Bekannte von mir waren schon dorthin geflüchtet und erzählten mir, dass sie mit offenen Armen und Liebe aufgenommen wurden. Als ich fragte, wie es mit dem Asylverfahren und dem Aufenthaltsstatus aussieht, meinten sie allerdings: “Das ist Glückssache.“

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ZinaVon Zina Safoyan aus Armenien

 

 

 

Sehnsucht

Weit, weit weg.
Eine Stadt im Nirgendwo.
Menschen ohne Sinn des Lebens
Treiben in den dunklen Straßen,
Suchen Liebe, Glück und Freude.
Sehnsucht in den Augen steht.
Leere der Sehnsucht – wie füllen?
Sehnsucht nach Heimat, Verwandten,
nach Erde und Wasser, Gerüchen.
Sehnsucht in den Augen steht.
Liebe, Glück und Freude suchen.
Durch die dunklen Straßen treiben
Menschen ohne Sinn des Lebens.
Eine Stadt im Nirgendwo.
Weit, weit weg.

Zur Person:

Zina Safoyan ist 15 Jahre alt und seit 2 Jahren mit ihrer Mutter in Deutschland. Sie liebt ihre Familie und sie schreibt gerne und hört und macht gerne Musik.

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Mohammad Imagination: Ich und sie Von Mohammad Badawi aus Syrien

  1. Fortsetzung

Nachdem Maria mich auf dem Bahnhof angesprochen hatte, ging mir vieles durch den Kopf. Warum will sie mich treffen? Über welches Thema könnte ich mit ihr sprechen? Die Tage bis zu unserer Verabredung vergingen sehr langsam.

Ich war schon eine Stunde vor der verabredeten Zeit dort und habe von meiner Bank aus jede vorübergehende Frau genau angeschaut, ob sie wohl Maria sei. Aber Maria kam auf die Minute pünktlich und ich habe sie sofort an ihrem freundlichen Lächeln erkannt. Sie gab mir die Hand, sagte ‚Hallo‘ und redete gleich weiter: „Es tut mir Leid, ich habe heute nur wenig Zeit, weil ich zu einem wichtigen Termin muss.

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Die Mutter
von Hayl Aioub aus SyrienHayl

Es war einmal eine Mutter, die nur ein Auge hatte. Ihr Sohn hasste sie, weil er sie peinlich und beschämend fand. Sie arbeitete als Köchin in der Schule, in die ihr Sohn ging. Sie bereitete die Mahlzeiten zu, denn sie wollte ihren Sohn dabei unterstützen, seine Ausbildung zu beenden. Der Sohn versuchte jedoch immer, sie vor seinen Freunden zu verstecken, denn er schämte sich für ihr Gesicht. Eines Tages kam seine Mutter in seine Klasse, um nach den Prüfungsergebnissen zu fragen, doch er ignorierte sie und sagte: „Verschwinde mit deinem hässlichen Gesicht! Meine Freunde sagen immer, ich sei der Sohn der hässlichen Köchin. Ich wünschte, du würdest sterben und aus meinem Leben verschwinden.“ Seine Mutter war sehr traurig, doch sie blieb ruhig, mit unerschütterlicher Geduld und Ausdauer. Der Sohn beendete die Schule, er fand Arbeit und

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Weria

 Einige Fragen an Weria Ebrahimi aus Iran

Susanne Martin: Herr Ebrahimi, Sie haben einen Bachelor in Sportwissenschaft, in Ihrer Heimat als Sportlehrer und Trainer gearbeitet, engagieren sich hier ehrenamtlich als Ko-Trainer bei den Wasserratten Norderstedt und nehmen als Läufer u.a. am Haspa-Marathon teil. Nun haben Sie uns für dieses Heft Gemälde, Zeichnungen und Fotografien zum Abdruck zur Verfügung gestellt. Hat die Kunst Ihre Leidenschaft zum Sport abgelöst?

Weria Ebrahimi: Nein, Sport ist für mich immer noch wichtig. Ich war aber schon in Iran an einem Graphikstudium interessiert. Nach meiner Ankunft in Deutschland im Sommer 2014 habe ich dann festgestellt, dass mir Malen und Zeichnen guttut, und dann ist es meine Leidenschaft geworden, genauso wie das Fotografieren. Ich habe im Malkurs von Malimu in der Freien evangelischen Gemeinde mit Malen angefangen und besuche aktuell für ein Semester das Programm „Artistic and Cultural Orientation“ der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

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AlanAlilVon Alan Ali aus Syrien

Wenn Du im Winter Deine Haustür geschlossen hältst, weil ringsum nur Schnee und Eis sind, dann weißt Du doch: Es wird wieder Frühling!
Öffne das Fenster, spür die frische Brise und schau in die Weite. Du kannst Vogelschwärme erahnen, die zurück kommen und singen, Du siehst, wie die Sonne goldene Strahlen durch noch kahle Äste schickt und weißt, dass sie neues Leben, neue Hoffnung und ein neues Herz bringt. Lasse nicht eine Sekunde ab von diesem guten Gefühl, auch dann nicht, wenn der, den Du liebst, Dir sein Herz nicht schenkt oder Dich verlassen hat. Suche nicht in der Wüste nach Rosen, Du wirst dort keine finden.

Schau Dich um, um Dich herum sind Hunderte von Bäumen, die Schatten spenden und Früchte für Dich tragen und Dich glücklich machen können. Lass Dich vom Gewisper ihres Blätterdachs berühren. Denke nicht über das Gestern nach und darüber, was Du verloren hast. Auch die Bäume verlieren ihre Blätter unwiederbringlich, doch sie sprießen in jedem Frühling neu. Vergiss darum

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BozanVon Bozan Shikho aus Syrien

Ich bin der trostlosen Situation der Menschen müde, mit denen ich auf der Straße spreche.
Ich bin des Kindes müde, das wollte, dass ich ihm Schokolade kaufe. Bin müde, weil ich es wegen meiner eigenen bedrückenden Lebenslage angeschrien habe. Als ich es später umarmte und mich bei ihm entschuldigte, liefen Tränen über mein Gesicht.
Ich bin des Jugendlichen müde, der mich um Geld für eine Fahrkarte nach Hause bittet, weil ihm die Geldbörse gestohlen wurde. Eigentlich wurde ihm nicht seine Geldbörse gestohlen, sondern sein ganzes Leben. Das hat er nicht erwähnt, weil er trotz des Verlustes etwas Wertvolles und Kostbares bewahrt hat, seine Würde.

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Flüchtings und Migrationsarbeit Norderstedt in Trägerschaft des Diakonischen Werks Hamburg-West/ Südholstein.

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