WIR HIER: Artikel von Geflüchteten und Menschen, die schon länger hier leben

Starke Worte


Die Mutter
von Hayl Aioub aus SyrienHayl

Es war einmal eine Mutter, die nur ein Auge hatte. Ihr Sohn hasste sie, weil er sie peinlich und beschämend fand. Sie arbeitete als Köchin in der Schule, in die ihr Sohn ging. Sie bereitete die Mahlzeiten zu, denn sie wollte ihren Sohn dabei unterstützen, seine Ausbildung zu beenden. Der Sohn versuchte jedoch immer, sie vor seinen Freunden zu verstecken, denn er schämte sich für ihr Gesicht. Eines Tages kam seine Mutter in seine Klasse, um nach den Prüfungsergebnissen zu fragen, doch er ignorierte sie und sagte: „Verschwinde mit deinem hässlichen Gesicht! Meine Freunde sagen immer, ich sei der Sohn der hässlichen Köchin. Ich wünschte, du würdest sterben und aus meinem Leben verschwinden.“ Seine Mutter war sehr traurig, doch sie blieb ruhig, mit unerschütterlicher Geduld und Ausdauer. Der Sohn beendete die Schule, er fand Arbeit und

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Weria

 Einige Fragen an Weria Ebrahimi aus Iran

Susanne Martin: Herr Ebrahimi, Sie haben einen Bachelor in Sportwissenschaft, in Ihrer Heimat als Sportlehrer und Trainer gearbeitet, engagieren sich hier ehrenamtlich als Ko-Trainer bei den Wasserratten Norderstedt und nehmen als Läufer u.a. am Haspa-Marathon teil. Nun haben Sie uns für dieses Heft Gemälde, Zeichnungen und Fotografien zum Abdruck zur Verfügung gestellt. Hat die Kunst Ihre Leidenschaft zum Sport abgelöst?

Weria Ebrahimi: Nein, Sport ist für mich immer noch wichtig. Ich war aber schon in Iran an einem Graphikstudium interessiert. Nach meiner Ankunft in Deutschland im Sommer 2014 habe ich dann festgestellt, dass mir Malen und Zeichnen guttut, und dann ist es meine Leidenschaft geworden, genauso wie das Fotografieren. Ich habe im Malkurs von Malimu in der Freien evangelischen Gemeinde mit Malen angefangen und besuche aktuell für ein Semester das Programm „Artistic and Cultural Orientation“ der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

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AlanAlilVon Alan Ali aus Syrien

Wenn Du im Winter Deine Haustür geschlossen hältst, weil ringsum nur Schnee und Eis sind, dann weißt Du doch: Es wird wieder Frühling!
Öffne das Fenster, spür die frische Brise und schau in die Weite. Du kannst Vogelschwärme erahnen, die zurück kommen und singen, Du siehst, wie die Sonne goldene Strahlen durch noch kahle Äste schickt und weißt, dass sie neues Leben, neue Hoffnung und ein neues Herz bringt. Lasse nicht eine Sekunde ab von diesem guten Gefühl, auch dann nicht, wenn der, den Du liebst, Dir sein Herz nicht schenkt oder Dich verlassen hat. Suche nicht in der Wüste nach Rosen, Du wirst dort keine finden.

Schau Dich um, um Dich herum sind Hunderte von Bäumen, die Schatten spenden und Früchte für Dich tragen und Dich glücklich machen können. Lass Dich vom Gewisper ihres Blätterdachs berühren. Denke nicht über das Gestern nach und darüber, was Du verloren hast. Auch die Bäume verlieren ihre Blätter unwiederbringlich, doch sie sprießen in jedem Frühling neu. Vergiss darum

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BozanVon Bozan Shikho aus Syrien

Ich bin der trostlosen Situation der Menschen müde, mit denen ich auf der Straße spreche.
Ich bin des Kindes müde, das wollte, dass ich ihm Schokolade kaufe. Bin müde, weil ich es wegen meiner eigenen bedrückenden Lebenslage angeschrien habe. Als ich es später umarmte und mich bei ihm entschuldigte, liefen Tränen über mein Gesicht.
Ich bin des Jugendlichen müde, der mich um Geld für eine Fahrkarte nach Hause bittet, weil ihm die Geldbörse gestohlen wurde. Eigentlich wurde ihm nicht seine Geldbörse gestohlen, sondern sein ganzes Leben. Das hat er nicht erwähnt, weil er trotz des Verlustes etwas Wertvolles und Kostbares bewahrt hat, seine Würde.

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HaylVon Hayl Aioub aus Syrien

Ich möchte eine Geschichte erzählen und die geht so:
Ein Mann kommt in ein Zimmer und sieht seine Schwester auf einem Stuhl sitzen, anscheinend in traurige Gedanken versunken. Er bleibt neben ihr stehen, legt seine Hand auf ihre Schulter und fragt sie: „Wer ist der stärkste Mensch der Welt?“. Er will ihr damit sagen: „Alles wird gut, denn Du hast ja mich“. Nach einem Augenblick des Schweigens antwortet seine Schwester: „Ich bin es“. Der Bruder wiederholt seine Frage etwas irritiert: „Wer ist der stärkste Mensch der Welt?“ - „Ich“, antwortet sie wieder. Der Mann stellt dieselbe Frage ein drittes und ein viertes Mal und immer wieder gibt seine Schwester die gleiche Antwort: „Ich“.

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