WIR HIER: Artikel von Geflüchteten und Menschen, die schon länger hier leben

Vom Weggehen und Ankommen

Von Yaser Hussein

Im Irak habe ich Mathematik, Biologie und Elektrotechnik studiert und alle diese Fächer auch an einer Schule selbst unterrichtet. Meine Kenntnisse in Elektrotechnik habe ich auch genutzt, um meinem Vater in seiner Firma zu helfen. Ich habe eine große Familie. Alle bis auf meine große Schwester sind im Irak geblieben. Diese Schwester hatte vor 20 Jahren im Irak für die UN gearbeitet und konnte deshalb in den USA Asyl finden. Dort arbeitet sie nun schon lange als Lehrerin. Meine Frau und meine beiden Kinder sind im Krieg getötet worden. Das habe ich bei der Anhörung überhaupt nicht sagen können. Es tat zu weh. Überhaupt konnte ich lange nicht darüber reden. Ich war nur traurig. Zuvor hatte ich immer viel mit Freunden unternommen. Nun blieb ich lange Zeit nur in meinem Zimmer und wollte alleine sein.

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Von Aufzeichnungen aus einem Gespräch. Von Susanne Martin

Eine Entscheidung der Ausländerbehörde Segeberg führte dazu, dass ein Geflüchteter, der in Norderstedt in Lohn und Brot stand, nicht mehr arbeiten darf. Und das in einem Handwerksberuf, für den es nicht gerade Arbeitskräfte im Überfluss gibt.
Der Hintergrund: Wer von den Geflüchteten nur eine Duldung hat und der Ausländerbehörde keinen gültigen Pass des Heimatlandes vorlegen kann, muss ihn z.B. bei der Botschaft seines Landes beschaffen. Kann der Geduldete das nicht oder tut er das nicht, weil er nicht an seiner Abschiebung mitarbeiten will, kann er von der Ausländerbehörde wegen fehlender Mitarbeit ein Arbeitsverbot kassieren. Kann, wie gesagt, nicht muss. Die Ausländerbehörde hat hier durchaus einen Ermessensspielraum.

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Von Susanna M. Farkas

Ich wurde als Tochter zweier Künstler im Juli 1971 in Budapest geboren. Schon im September desselben Jahres ging meine Mutter mit mir nach Deutschland. Ich ver-brachte in der damaligen DDR 17 Jahre meines Lebens. Dann ging ich allein nach Budapest zurück. Hier lebte ich 12 Jahre, bis ich dann im Alter von 29 Jahren Ungarn verließ, um in Hamburg an der Universität Philosophie mit dem Schwerpunkt Moral und Ethik zu studieren. Ich bin Mitglied in der Hamburger Autorenvereinigung. Weitere Informationen unter www.susanna-m-farkas.de

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Von Maram Dawara

Als die Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt, Heide Kröger, und Hero Amin von der Diakonie mich im Frühjahr fragten, ob ich Lust hätte, als Helferin eine Kindergruppe nach Otterndorf in die Ferien zu begleiten, fühlte ich mich geehrt und ich freute mich. Erfahrungen mit der Betreuung von Kindern hatte ich bereits in meinem Bundesfreiwilligenjahr gesammelt. Zwar hatte ich dort kleine Kinder betreut, während ihre Mütter am Deutschunterricht teilnahmen, aber ich traute mir auch diese neue Herausforderung zu.

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Von Diana Loos

Vor mir ein Meer fremder, gespannter Gesichter, ca. 15 Menschen um drei kleine Tische, auf kleinen, teils wackeligen Stühlen. Vor ihnen auf den Tischen Notizbücher und Bleistifte sowie einige einfache Kugelschreiber, die mein Kollege, mit längerer Erfahrung im Deutschunterricht für Geflüchtete, päckchenweise besorgt hat. Die Atmosphäre ist aufgeregt und aufregend, durchzogen von gegenseitiger Neugier: Seitens der Lernenden die Frage, wie diese neue Lehrerin es wohl schaffen wird, die schroffen Klippen der als schwierig berüchtigten deutschen Sprache zu umschiffen, damit man Fortschritte in der Verständigung macht; seitens der Lehrerin schwache Erinnerungen an ihren eigenen ersten Deutschunterricht, der mehrere Jahrzehnte früher am englischen Gymnasium stattgefunden hatte. Jetzt hat sie es auf sich genommen, diese geflüchteten Menschen ein paar Schritte weiter auf ihrem dornigen Weg der Integration zu begleiten, indem sie ihnen ermöglicht, die Grundlagen der deutschen Sprache als Basis für das weitere Lernen zu bewältigen.

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Ghulam Rasool Khalili aus Afghanistan engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Von Claudia Blume

Dienstagabend, 19 Uhr, Dienstbesprechung bei der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide. Den Anweisungen von Wehrführer Henrik Liesner lauschen rund 70 meist großgewachsene Männer. Eine schmucke Truppe in schicker dunkelblauer Arbeitskleidung. Ein Kamerad fällt etwas aus der Reihe: Er hat asiatische Gesichtszüge und ist einen Kopf kleiner als die meisten anderen, hat aber ein mindestens ebenso großes Herz, das für die Arbeit der Feuerwehr schlägt.

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Von Mustafa Maai aus Syrien. Aus dem Arabischen übersetzt.
MustafaMaai
Die Religion der Yeziden ist eine sehr alte Religion, man sagt, sie sei die älteste Religion der Kurden. Sie enthält Bestandteile alter Naturreligionen, wie z.B. die Verehrung der Sonne. Andere Hinweise besagen, dass die Wurzeln dieser Religion auf die Epoche der Sumerer zurückgehen.
Über die Anzahl der Yeziden gibt es nur Schätzungen, man sagt zwischen 800.000 und einer Million weltweit. Ihre größten Siedlungsgebiete vor der Vertreibung lagen im Nordirak, aber auch in Syrien, in der Türkei und im Iran. Im Nordirak in Lalisch in der Nähe von Mossul befindet sich das religiöse Zentrum der Yeziden. Wichtigstes Heiligtum dort ist die Grabstätte von Scheich Adīibn Musāfir, dem bedeutendsten Heiligen der Yesiden.

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Von Tara Jafar Zadeh aus Dubai. Aus dem Englischen
Tara Jafar Zadeh
Drei ‚Ws‘ bzw. im Englischen drei ‚Rs‘ fordern dazu auf, diese Erde, unseren Heimatplaneten, sauberer und sicherer zu machen. Die drei ‚Ws‘ bedeuten weniger verbrauchen, wieder verwenden, weiter verwerten. Im Englischen heißt das reduce, reuse and recycle.
Wenn ich „sicherer“ sage, meine ich das nicht nur in Bezug auf uns Menschen. Die Vermüllung unserer Umwelt ist für das Leben zu Lande und zu Wasser todbringend oder zumindest schädlich. In Plastiktüten können Tiere sich verfangen und ersticken. Und sie halten Plastik fälschlicherweise für Nahrung.

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Von B.L.
Es ist wunderbar zu sehen, dass sich im Moorbekpark in Norderstedt-Mitte etwas tut: Die dort von der Stadtverwaltung neu konzipierten ‚Aufenthaltsräume‘ werden von der jüngeren Bevölkerung gut angenommen. Besonders auffällig ist, dass sich regelmäßig nach 20 Uhr eine Gruppe eritreischer Geflüchteter im Park einfindet, um auf dem dortigen Beach-Volleyball-Feld miteinander und gegeneinander zu spielen.
Trikots sucht man bei den Spielern vergeblich, sie treten in ihrer normalen Freizeitkleidung an. Sie bilden so viele Mannschaften, wie die Anzahl der Gekommenen hergibt, und spielen dann als Teams gegeneinander. Ein von den Spielern abgestellter Schiedsrichter leitet die Spiele, ruhig, mit Absprachen und unter der Akzeptanz aller Beteiligten. Das klappt so gut, dass er auf eine Pfeife verzichten kann, die eigentlich dazu gehören würde.

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Von Annelie Andert
AnnelieAndert
Land und Leute kennen zu lernen ist besonders für Neuzuzügler/innen so wichtig. Was könnte besser dazu beitragen, als die Umgebung selbst zu er-fahren? Außerdem kann man beim gemeinsamen „Sightseeing“ ja nicht nur Landschaft, Geschichte und Kultur kennen lernen, sondern auch die Mitreisenden.
Für die Ausflugsziele von Willkommen-Team Norderstedt e.V. und Geflüchteten gibt es einige Grundbedingungen: Sie müssen gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, die Fahrtkosten müssen gering sein und der Zeitaufwand für Hin- und Rückfahrt muss in einer vernünftigen Relation zur vor Ort verbrachten Zeit stehen.
Erst wurden die Ausflüge nur vom Willkommen-Team geplant, organisiert und beworben, dann stiegen auch Geflüchtete in die Vorbereitung mit ein. Sie entschieden mit, welches der vorgeschlagenen Ausflugsziele jeweils angesteuert werden sollte, verteilten die Ankündigungs-Flyer in den Flüchtlingsunterkünften, sammelten Anmeldungen ein und gaben sie weiter an mich als Verantwortliche.

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